© Dr. Hilmar Alquiros The Philippines 2002 ff. 

Schach“ im Grimmschen Wörterbuch

SCHACH n. name eines spieles, mhd. schâch. das wort stammt aus dem persischen schâh könig ...

1) hauptfigur, könig im schachspiel, hier nur masc., schâch, rex in ludo latrunculorum. ... 2) von der hauptfigur ist der name auf das schachspiel übertragen; das geschlecht ist ...
3) schach, auch schachbrett, ebenfalls neutr.: setzte das schach an das fenster. Klinger ...
4) aus dem orientalischen zuruf, z. b. 'schâh rûch, dem schach droht der roche' entwickelt ...
5) die häufige bildliche verwendung von ausdrücken und redensarten, die aus dem schachspiel ...
6) (als masc. und neutr.) eine figur von der form der felder im schachbrett, quadrat ...
7) als masc. wie könig, bezeichnung der würde orientalischer herscher, selbständig ...

 

SCHACH, m. n. name eines spieles, mhd. schâch. das wort stammt aus dem persischen schâh könig, woher auch die Araber ihr schâh entlehnten. durch deren vermittelung kam es zu den romanischen völkern, die mit dem namen der hauptfigur das schachspiel bezeichneten. vgl. span. xaque, jetzt jaque, port. xaque, ital. scacco, prov. escac, frz. échec DIEZ4 282. vom frz. auch engl. chess, früher check. langen stammvocal gegen kürze im romanischen zeigen wie mhd. schâch: isländ. skák, dän. skâk, holländ. schaak. es scheint, als ob diese aus dem mhd. schâch entlehnt seien, und für dieses ist wegen der ähnlichkeit mit dem persischen (man beachte auch den auslaut ch gegen cc im romanischen) nicht romanische vermittelung, sondern directe einwirkung des persisch - arabischen anzunehmen. eine häufige nebenform von schâch ist schâcht mit unorganischem t: wenn ich reich wäre, wollte ich mir ein gülden schacht und silberne karten werklich lassen zurichten zu einer erinnerung, denn gottes schacht und karte sind grosze mächtige fürsten, könige, kaiser. LUTHER tischr. 2, 101.
    Bedeutung.
1)
 hauptfigur, könig im schachspiel, hier nur masc., schâch, rex in ludo latrunculorum. voc. 1482: das königsspiel, wo der schach oder könig der wichtigste unter allen steinen ist.
WIELAND 24, 109.
2)
 von der hauptfigur ist der name auf das schachspiel übertragen; das geschlecht ist ins neutr. (nach spiel) übergetreten: das schach ist ein scharfsinniges spiel.
ADELUNG. in redensarten: eine partie schach mit jemand spielen. CAMPE;

sie spielten alle nachmittag
nach eingenommenem mahle
in einer sommerlaube schach
und aszen kalte schale.
         
HÖLTY 26 Halm.

schach ziehen: der ritter mit sampt Friderichen anfieng das schach zu ziehen, damit sie den abendt mit freuden zu ende bringen möchten. buch d. liebe 48
b; zwei knaben wollten schach ziehen. LESSING 1, 141. von der einzelnen partie:

ich lade dich, geliebter,
heut abends auf ein schach.
         
RÜCKERT liebesfrühl. 5, 8.
3)
 schach, auch schachbrett, ebenfalls neutr.: setzte das schach an das fenster.
KLINGER 10, 30; willst du wissen, dasz alle unsere weiblichen künste einzig für dieses wehrlose stichblatt fechten, wie auf dem schach alle officiere den wehrlosen könig bedecken. SCHILLER Fiesko 4, 12; daher auch im schach ziehen, spielen für schach spielen: Philomon und Gabriotto anhuben in dem köstlichen schach zu ziehen. buch d. liebe 242, 2; wer im schach ziehen und ein bergwerk bauen will, darf seine augen nicht in die tasche stecken. SIMROCK sprichw. 8774.
4)
 aus dem orientalischen zuruf, z. b. 'schâh rûch, dem schach droht der roche' entwickelt sich die bedeutung schach (als masc. neutr.) für eine stellung, die dem könig gefahr droht: der schâch bediutet ein vordern des rehten und ist als vil gesprochen: o künec tuo mir da reht und da muo sîn.
MASSMANN gesch. des schachspiels (1839) 135; schach ist der angriff einer figur oder eines bauers auf den feindlichen könig. BILGUER handb. des schachspiels (1858) 9; im bilde:

die trunkenheit gêt auch dar nâch,
der sælikeit ein schêdlich schâch.
         
HEINR. V. BERINGER schachged. 9089 f.

schâch namentlich als drohenden zuruf gegen die figur des königs im spiel:

der künec sprach
zuo der küniginne dâ schâch!
schâch sprach diu künegin.
         
HEINR. V. FREIBERG Tristan 4155;

swelch stein den künec vindet
ûf dem veld dâ er möhte komen,
sô wirt der krî von im vernomen,
so hœret man in schrîen: schâch.
         
HEINR. V. BERINGEN schachged. 10054;

Sittah. schach! und schach! und schach!
         
LESSING 2, 228;

schach dem könig!
         
GÖTHE 8, 53.

bildlich: in fünf wochen konnte der werbeofficier nicht einmal sagen: schach der königin!
J. PAUL uns. loge 1, 8;

der mann, der ...
das leben tausender in seiner hand
es hinsetzt wie zum fröhlich leichten bretspiel,
auf das von blut und staub geteilte feld
und ausrief: schach! als wenn es steine wären.
         
GRILLPARZER 5, 109.

häufig in verbindung mit matt (s. d.):

da fand ich schâch und mat
an mangem stolzen wîb.
         
ALTSWERT 173, 22;

do sprach er, o du veile statt,
wie werstu so bald schoch und matt,
wenn du ein koufmann hettst allein.
         
BRANT narrenschiff 46, 54.

feste verbindungen: schach sagen, sprechen, bieten, thun, geben:

nu trahtet wol, des ist iu nôt,
unde sehet iuch vor, ich tuon iuch schâch.
         
MASSMANN a. a. o. 59;

so oft er dem könige schach bothe.
OLEARIUS reisebeschreib. 89b; er bietet mir im spiele das erste schach. J. PAUL uns. loge 1, 16.

5)  die häufige bildliche verwendung von ausdrücken und redensarten, die aus dem schachspiel entnommen sind, bekundet die ungemeine verbreitung und beliebtheit des schachspiels im mittelalter, besonders wird so der krieg, die liebe zwischen zwei personen, aber auch das leben selbst symbolisch als ein schachspiel aufgefaszt.

a)
 vom kriege:

begunden luogen
wie si mit hübeschen fuogen
getæten eteslîchen schâch.
         
KONR. V. WÜRZBURG troj. krieg 27575;

alsô endet sich der schâch (der krieg).
         Biterolf 13041;

tâten in einen schâch
ûf und nider um den stat,
sie wâren vil nâch worden mat.
         
HERBORT V. FRITZLAR 14558;

chrieg sagt lant und lewten schâch.
         
SUCHENWIRT 37, 67;

des wirt gesprochen maneger schâch
mit venden und mit alten.
         20, 19.

b)
 von der liebe:

allen ir fröuden mat
wart dâ gesaget sunder schâch.
         
HEINR. V. FREIBERG Tristan 1560 f.;

mich leit (leitet) ir süeen ougen schâch
swar si wil.
         minnes. 1, 115
b Hagen.

c)
 vom leben, das vom tode besiegt wird:

der tôt so manegen seit mit matte schâch.
         Lohengrin 5829;

der tôt sagt uns mit den alten schâch,
dar nach erzeiget er sin mat.
         Koloczaer cod. altd. ged. (1817) 153.

d)
 auf andere verhältnisse übertragen:

vliuch ir (der schande) mat, si sagt dir schâch.
         minnes. 2, 62
b Hagen;

halte er die lêre mîn
und spreche der unkiusche schâch.
         
HEINR. V. BERINGEN schachged. 7277;

er besasz keine tugend, welcher nicht durch irgend ein angrenzendes laster immer schach geboten worden wäre.
WIELAND 7, 413.

e)
 erst im nhd. üblich sind die verbindungen im schache stehen, in bedrohter lage sein:

während ich zog in der tugend feld,
sah ich es stehe die lieb im schach.
         
PLATEN 84b.
einen im oder in schach halten, ihm immer aufs neue schach bieten, sodasz er nicht zur ruhe kommt: sie wolleu euch und

euren gegenpart nur im schach halten, um beiden das eigne oder fremde gut abzudringen, ohne eine züchtigung befürchten zu müssen.
EICHENDORFF Lucanor 9; indem wir zugleich die studenten von allen demonstrationen zu feindseligkeiten abhielten, und zu ruhigem ausharren ermunterten, gelang es uns, den tobenden haufen etwas in schach zu halten. VOGT ocean u. mittelmeer (1844) 1, 172.

6)  (als masc. und neutr.) eine figur von der form der felder im schachbrett, quadrat und verallgemeinert raute (vgl. schache): haben auch unterschiedliche wappen neben der hennen gehabt, der ain thail die saue, der ander aber den halben adler sampt dem schach. Zimmerische chron. 4, 116, 5; schach, ein schild, der etliche mal nach der länge und breite durchzogen und die feldlein mit zweyerlei tinkturen abwechseln. dieses wird geschacht oder gewürfelt genennet.
JABLONSKY lex. der künste u. wissensch. 976b.

7)
 als masc. wie könig, bezeichnung der würde orientalischer herscher, selbständig, und ohne zusammenhang mit der früheren entlehnung aufgekommen; heute im häufigen wechsel mit der nebenform schah:

der grosze sultan, der Perser schach
im zirkel ihrer frauen.
         
HÖLTY 25 Halm;

eine andere hätte ihre liebeswerber
auf blutig schwere abenteuer aus
gesendet sich mit riesen 'rumzuschlagen,
dem schach zu Babel, wenn er tafel hält,
drei backenzähne höflich auszuziehn.
         
SCHILLER 13, 368 (Turand. 2, 1);

auch dasz vom throne fürstenhort
sich nicht für uns verliere,
giebst du dem schach ein gutes wort
und giebst es dem veziere.
         
GÖTHE 5, 43;

doch im munde eines fürsten,
eines schaches, ist ein toman
gülden stets; ein schach empfängt
und er giebt nur goldne toman.
         
H. HEINE 1, 364 Elster;

schach Mahomet hat gut gespeist
und gut gelaunet ist sein geist.
         1, 367 Elster.

 

SCHACHBANDE, f. der rand des schachbretts: da mich sein rechter zeigefinger dauerte, der von einem säbelhiebe eine rote wunde hat und der auf der schachbande auflag. J. PAUL unsichtb. loge 1, 10.

SCHACHBLUME. f. fritillaria meleagris, so genannt, weil ihre mit blutroten flecken bedeckten blüten einen schachbrettartigen anblick gewähren, auch brettspielblume. OKEN 3, 575.

SCHACHBODEN, m. schachbrett: uns alle dauert der auf dem schachboden herumgehetzte kammerherr. J. PAUL Hesp. 2, 20.

SCHACHBRAND, m. raubbrand, brandstiftung mit raub, in älterer sprache. über den ersten bestandtheil s. schächer. vergl. SCHM. 2, 363.

SCHACHBRETT, n. ein brett, das in viereckige felder getheilt ist, um schach darauf zu spielen. CAMPE. im mhd. dafür schâchzabel (s. d.): Gabriotto ersieht ein schachbret an der wand hangen. buch d. liebe 42, 1; sie sind mir auch noch revange auf dem schachbrett schuldig. SCHILLER kab. u. liebe 5, 7;

spiel' im schachbrett, geh spazieren.
         
GOTTER 1, 51.

bildlich: die ihr mit eurem vergebendem auge vom schachbrett des ersten sektors an bis zum sterbelager des letzten mir nachgezogen seid. J. PAUL unsichtb. loge 3, 48.

SCHACHBUCH, n., mhd. schâchbuoch, vom schachspiel handelndes buch.

SCHACHE,SCHACHEN, m., mhd. schache, schwaches masc., ahd. scahho vorgebirg, landzunge (scahho meres SCHM. 2, 363), überhaupt ein zungenartiger streifen; nur noch in oberd. dialekten erhalten HUNZIKER 217. STALDER 2, 305. BIRLINGER 389; als einzeln stehendes waldstück oder vorsaum eines waldes:

nu wart der walt gemenget
hie ein schache, dort ein velt.
         
WOLFRAM V. ESCHENBACH Parz. 398, 19;

von den brüsten (des riesenweibes) ich iu sagen will,
die wâren wol als ein schache.
         
ULRICH V. D. TÜRLIN Willeh. 245d;

mit umlaut:

dort steigt am schächen nieder
ein hirt im abendrot.
         
UHLAND 396.

in der Schweiz werden landzungen, auen oder niederungen am wasser, ob mit gehölz bestanden oder nicht, schachen genannt: da dannen hin zwüschent der von Bonstetten und der von Wetterschwyl güttern untzil an den schachen, von dem schachen hin an die hofmatten. weisth. 1, 38 (von 1468); am schachen, wo

weiden genug seien.
J. GOTTHELF Käthi die groszm. 114; ähnlich in Baiern, Schwaben: zwey schachen, durch welche die von Helfenstein denen von Marklingen ainen viehtrieb zuzugeben schuldig. SCHMID 449. dazu schächlein, schächelein, schächle, schacherl in gleicher bedeutung, ebenda. vgl. feld- oder haimschachen, waldschachen, isoliert stehende kleine waldparcellen, buechschachen, buchenwäldchen SCHM. 2, 363, ferner in namen: das Schächenthal GOTTHELF Käthi die groszm. 1;

das ist der Klostermey'r vom Mörlischachen.
         
SCHILLER 14, 392 (W. Tell 4, 3).

auch in ortsnamen wie Schachen, Schechen, Schechingen
SCHMID 449.

SCHACHE,SCHACHEN, m. erst nhd. zum verb. schachen 2, ein geschachtes, viereckiges wappenstück (vgl. schach 6): daher sagt man, dasz die grafen von Henneberg in Schleusingen das speck und erbis im wappen füeren, welches dann der weis und rott schachen neben dem gelen feldt soll bedeuten. Zimm. chron. 4, 117, 24.

 

SCHACHEN  aus mhd. schâchen, schwach flectierend.
1) schach bieten, bildlich nachstellen: diu wîsheit disen sûren kampf durch nôtturft ...
2) in weiterem sinne überhaupt, schach spielen Campe.

 

SCHACHEN, verb., aus mhd. schâchen, schwach flectierend.
1)
 schach bieten, bildlich nachstellen:

diu wîsheit disen sûren kampf durch nôtturft dô erdâhte,
sie sah da uns der tiuvel hie sus matet unde schâchte.
         meisterl. der Kolm. handschr. nr. 115, 32.

2)
 in weiterem sinne überhaupt, schach spielen
CAMPE.

SCHACHEN, verb. trans., in vierecke theilen CAMPE, davon noch das part. geschacht gebräuchlich, mhd. geschæht gewürfelt wie ein schachbrett, tesselatus FRISCH 2, 155b: geschacht oder gewürfelt JABLONSKY lex. der künste 976b (vgl. unter schach 6):

des helm, schilt decke und wâpenrock
was geschæchet blâ unt golt.
         
ULR. V. LICHTENSTEIN frauendienst 277, 23;

doch gold und blau geschacht war jeder schild,
was heute noch für Bayerns wappen gilt.
         
GRIES Bojardo 1, 57.

bildlich: das feld der wirklichkeit ist eben ein in felder geschachtes brett, auf welchem der autor so gut die gemeine polnische dame als das königliche schachspiel, sobald er in einem falle nur steine und im andern figuren und kunst besitzt, spielen kann.
J. PAUL vorsch. der ästhetik 1, 42.

SCHACHER, m. einer, der schach spielt, versteht, schachspieler CAMPE.

SCHACHFELD, n. die fläche des schachbrettes und dieses selbst, abacus STIELER 464.

SCHACHFIGUR, f. stein beim schachspiel CAMPE: kannst du nicht die schachfigur, die du ziehen willst, lange fassen. J. PAUL uns. loge 1, 14.

SCHACHGEGNER, m. gegner beim schachspiel: sich als schachgegner niederzusetzen und als schachsieger wieder aufzuspringen. J. PAUL uns. loge 1, 4.

SCHACHGESELL, m. einer, der mit einem schach spielt: weil das verlangen ihn (den sultan) spornte, den eben gefundenen neuen und freundlichen schachgesellen näher kennen zu lernen. KLINGER 10, 155; daneben in älterer sprache schachtgesell (vgl. dazu unter schach): darauf madtet doctor sein schachtgesellen. MATHESIUS von der hist. dr. M. Luthers 207b.

SCHACHKRAUT, n., s. schachtkraut.

SCHACHMATT
 ein ausdruck beim schachspiel. das wort stammt wie das spiel selbst (s. schach ...
1) beim schachspiel, wenn der könig so angegriffen wird, dasz er sich weder aus dem ...
2) in bildlicher verwendung, überwunden, völlig erschöpft, entkräftet; mehrfach völlig ...

 

SCHACHMATT, adj. ein ausdruck beim schachspiel. das wort stammt wie das spiel selbst (s. schach) aus dem persischen, wo schâh mate bedeutet 'der könig ist tot'. daher auch ital. scacco

matto, span. port. xaque mate (xaque y mate), franz. eschec et mat, engl. check mate, ebenso dän. skâk og mat. der später nicht mehr verstandene ausdruck wurde, wie auch schâchzabel (s. d.) mehrfach entstellt; schôchmat:

schochmat ist im gesprochen.
         
LILIENCRON volksl. 2, 95a;

schachtmatt (vgl. schacht für schach): das er sie also müde und schachtmatt mache.
LUTHER tischreden 207b.
    Bedeutung.


1)
 beim schachspiel, wenn der könig so angegriffen wird, dasz er sich weder aus dem schach ziehen (s. schach 3) noch den angreifenden stein selbst nehmen noch auch einen anderen stein zwischen das schach setzen kann, so ist er schachmatt oder matt, vgl. BILGUER handb. des schachspiels (1858) 9. in verbindungen, mhd. schâchmat sprechen:

wie kleine nun der fende sî,
sô ist er doch also frî,
da er dem künic sprichet schâchmat.
         
KONR. V. AMMENHAUSEN bei MASSMANN gesch. des schachspiels 139.

schachmatt machen, regem ad incitas redigere ita ut nullus ei pateat effugii locus.
STIELER 1702; schachmatt werden: Ernestine wollte nämlich um alles gern schachmatt werden. J. PAUL uns. loge 1, 8.

2)
 in bildlicher verwendung, überwunden, völlig erschöpft, entkräftet; mehrfach völlig als adjectiv, auch in attributiver stellung ausgebildet (vgl. dazu matt theil 6, sp. 1756): wa er nicht von land und leuten raumig und schachmat werden will. Garg. 64
a; so ist denn meine königin tot? so ist sie gefangen! ach! bey mir wird es bald heiszen schachmatt! MASSMANN gesch. des schachspiels 86; nach dieser erklärung eines schachmatten schriftstellers. THÜMMEL 3, 49; so ist nicht zu verwundern, wenn sich bey diesem begegnusz einige zornige flecken in seinen augen erhoben und was man dunkles an seiner stirn erblickte, dem antlitz eines menschen geglichen, deme schachmatt gespielet worden. briefe über merkwürdigkeiten der litteratur s. 24 neudruck;

kein zijt ich beitt, schachmatt ich (der tod) sprich,
kein allt noch venden fristen dich.
         
MASSMANN a. a. o. 89;

steckt denn des todes faust auch königen ihr ziel?
so gleicht das regiment dem schacht- und königsspiel,
mein scepter streckte sich von süden bis zum norden,
nun bin ich durch den tod besetzt und schachmatt worden.
         
WEICHMANN poesie der Nieders. (1725) 1, 237.

SCHACHMATTEN, verb. matt setzen beim schachspiel, bildlich: ich wil dich nicht mit menschen leren, sondern mit der schrift schachmatten. LUTHER 1, 389a.

SCHACHPATT, n. ausdruck beim schachspiel, diejenige stellung des königs, in welcher er nicht mehr ziehen kann, ohne im schach zu stehen. bildlich: es fächelte nichts .. den schachpatten mann wieder frisch und kühl, der ein schachmatter werden wollte (d. i. den minister, den seine favoritenstellung zu der fürstin in eine lästige lage brachte). J. PAUL Tit. 3, 195.

SCHACHSIEGER, m. einer, der im schachspiel siegt: und sich darin als schachgegner niederzusetzen, um als schachsieger wieder aufzuspringen. J. PAUL uns. loge 1, 4.

SCHACHSPIEL (daneben mit unorganischem t häufig schachtspiel).
1) das unter dem namen des schachs (s. d.) bekannte morgenländische spiel, in dem der ...

2) schachbrett mit figuren; ein schachspiel von holz, elfenbein u. s. w. Campe: bei ...

 

SCHACHSPIEL, n. (daneben mit unorganischem t häufig schachtspiel).
1)
 das unter dem namen des schachs (s. d.) bekannte morgenländische spiel, in dem der schach oder könig der vornehmste stein ist, daher auch königsspiel genannt, ludus latrunculorum.
SCHOTTEL 1393. STIELER 1702: sunst so habenn die übrigen stein alle jre alte unnd gewönliche des gemeinen schachspils, ordenung, unnd wirt mit allem ziehenn, rauben, schach unnd matten in aller weisz hierin gehalten wie es sunst mit dem gemeinen schachspil gehalten wirt. JACOB MENNEL schachzabelspil (1536) bei MASSMANN gesch. des schachspiels 146; Wida hat das schachtspiel gar artlich beschrieben. SCHUPPIUS 406; sollen die fürnehmsten geschlechter unter den Goten und Schweden vor alters im gebrauch gehabt haben, dasz sie diejenigen, welche umb ihre töchter zu heiraten gekommen, sich erst im schachspiel haben sehen und ihren verstand und gemütsbewegungen probiren lassen müssen. OLEARIUS rosenthal 84a;

steckt denn des todes faust auch königen ihr ziel?
so gleicht das regiment dem schacht- und königsspiel.
         
WEICHMANN poesie der Nieders. 1, 237.

2)
 schachbrett mit figuren; ein schachspiel von holz, elfenbein u. s. w.
CAMPE: bei solchem trinken haben sie das bretspiel oder auch das schachspiel vor sich. OLEARIUS reisebeschr. 293b.

SCHACHSPIELER, m. einer, der schach spielt, versteht CAMPE: denn diese hieroglyphen waren seinen augen verborgen, wie den augen des klügelnden publicums das geheime triebwerk des berühmten hölzernen schachspielers. MUSÄUS volksm. 1, 105 Hempel; ein guter mathematiker ist ein guter schachspieler. J. PAUL uns. loge 1, 4.

SCHACHSTEIN, m. eine der geschnitzten oder gedrechselten (ursprünglich von stein hergestellten) figuren, mit denen schach gespielt wird, latrunculus FRISCH 2, 155b. STIELER 1702: da wurden denn die beiner so sauber abgeschleckt, dasz man alsbald schachsteine daraus hätte drehen können. Simpl. 1, 344, 48 Kurz.

SCHACHT, für schach (s. dieses); im wortspiel mit dem folgenden schacht: (Luther mit bergleuten schach spielend spricht) ihr bergleut, saget er, wer inn disem unnd andern tieffen schachten ziehen, unnd nicht schaden nemen ... will, der sol, wies sprichwort laut, seine augen nicht inn die taschen stecken. MATHESIUS Luther 207b.

SCHACHTAFEL, f. tafel, auf der schach gespielt wird, schachbrett; mhd. dafür gewöhnlich schâchzabel (s. d.): schachtafel, alea sive tabula in qua luditur FRISCH 2, 155b; mit entstellten formen: schachttafel, schafftavel DIEF.-WÜLCKER 831, schattavel scacus, scatabulum DIEF. gloss. 515b. zu schachtafel hat sich im niederd. ein verb. scactaveln gebildet in der bedeutung 'symmetrisch aufstellen' brem. wb. suppl. 268: dar weren vele vorgulder, vorsulverder richte scactafelt. ebenda.

SCHACHTAFELBRETT, n. schachbrett: Gabriotto das schachtafelbrett von der wand nam. buch d. liebe 242, 2.

SCHACHTBLUME, f., s. schachblume.

SCHACHTEN, verb. von schacht, nebenform zu schach, gebildet = schachen (s. d.). 1) schachspielen, ludere latrunculis sive scacho. STIELER 1702. 2) in gleichseitige vierecke theilen; ein geschachtetes feld in einem wappen, ein wie ein schachbrett in lauter gleichseitige vierecke getheiltes. CAMPE.

SCHACHTSPIEL, s. schachspiel.

SCHACHWEISE, adv. nach art eines schachbrettes geordnet, aufgestellt: sobald sie sich auf die seite zurück geschwenkt hatten, löseten sie allerseits zehn führer mit zweyen schachweise dahinter stehenden geschwadren ab--bey ihrer zurückschwenkung aber sätzten sie sich spitzig zu und schachweise hinter einander, wie sie von anfangs gestanden hatten. LOHENSTEIN Armin. 1, 1358.

SCHACHZABEL

 alte bezeichnung des schachbrettes, mhd. schâchzabel, ahd. scâhzabel; zabel ist ...
1) schachbrett: von aventiure e dô geschach, da Tristan in dem schiffe ersach ein ...
2) das spiel auf dem schachbrett, das schachspiel; in verbindungen schâchzabel ziehen:
3) häufig in bildlicher verwendung (vgl. schach); vom kampfe:

SCHACHZABEL, n. alte bezeichnung des schachbrettes, mhd. schâchzabel, ahd. scâhzabel; zabel ist mit verschiebung des anlauts aus lat. tabula gebildet. das wort erscheint zuerst in glossarien des 11. 12. jahrh.: alea scâhzabel gl. Trev. 9, 10. vergl. WACKERNAGEL kl. schriften 1, 109 ff. in der litteratur zuerst im Rolandslied 22, 17; bald gemein geworden, in der bedeutung erweitert, insofern auch das schachspiel damit bezeichnet wurde, seit dem 14. 15. jahrh. aber der form nach nicht mehr verstanden, daher vielfach entstellt in schâchzagel: einen schâchzagel ziehen quelle von 1433 bei SCHM. 2, 363; das acht essen was ain schachzagl von mandlmilch prawn und weisz, die roch und all stain waren von zucker. ebenda (von 1476); in schâfzagel, scacabulum, ludus tessalorum voc. von 1419; mit dem verbum schafzaln schach spielen; in dem Regenburgischen verbot der spiele 1393 war das schafzaln ausgenommen; in mehrfachen ähnlichen formen schaffzagel, schachzogel, schaczagel, schazagel, schozagel, vergl. MASSMANN geschichte des schachspiels s. 52. mhd. wb. 3, 852b. in Franken hat sich unter der form schafzagel, schafzaigel auch die bedeutung des ursprünglichen schachspiels seltsam gewandelt, indem dieses zu dem einfachen mühlenspiel herabsank. vgl. SCHM. 2, 383.
    Bedeutung.
1)
 schachbrett:

von aventiure e dô geschach,
da Tristan in dem schiffe ersach
ein schâchzabel hangen
an brete und an den spangen
vil schône und wol gezieret.
         Tristan 2217;

dô hie brengen diu künegin
ein schâchzabel von elfenbein,
ouh brâhte man zweier hande gestein
von zweier farbe, da edel schein.
         
ULR. V. TÜRHEIM bei MASSMANN a. a. o. 58;

in welcher in einem schilde mit dem fürstenhut der schachtzagel gemalet war.
LUCAE denkwürdigk. Schlesiens s. 1319.

2)
 das spiel auf dem schachbrett, das schachspiel; in verbindungen schâchzabel ziehen:

der künec und die künegin
gar minneclîchen vant er
sizzen bî einander,
dâ si ein schâchzabel zugen.
         
HEINRICH V. FREIBERG Tristan 4144;

schâchzabel unde seitenspil
da was sîn kurzewîle.
         
KONR. V. WÜRZBURG der werlde lôn 28;

swâ man des schâchzabels gert.
         
TANNHÄUSER hofzucht, in zeitschr. f. d. alterth. 6, 495;

schachzabel ist ein königspiel,
jetzt spielts der eidgenosz.
         wunderhorn 1, 102 Boxberger;

nachdem sich Peter Krafft der jüngere eine zeither mit spielen und karten nicht löblich gehalten und sich dadurch merklich schulden zugezogen, verpflichtet er sich gegen seinen vater Conrad Krafft und gegen seine mutter Agathe von Bayszwile, hinfort nicht mehr zu spielen noch zu karten noch kein anderes spiel zu thun, weder allein das schachzagel zu ziehen und mit dem armbrust zu schieszen. quelle von 1461 bei SCHMID 450; da begärten die schelmen angentz mit unsern gsellen zu spilen schachzabell, so nannten sie den schach. TH. PLATTER 18 Boos.

3)
 häufig in bildlicher verwendung (vgl. schach); vom kampfe:

ûf disen vierecken schilt
was schâchzabels vil gespilt.
         Parz. 406, 26;

von der welt:

disiu werlt ist als ein goukeltabel,
wan sie hât als ein schâchzabel
künig unde künegîn,
roch, ritter, alten, vendelîn.
         Renner 22494;
ein meister glîchet dise werlt eime schâchzable, dâ stân ûffe kunige und kuniginnen und ritter und knappen und venden; hie mite spilen si: wan si mûde gespilet haben, sô werfen si den einen unter den andern in einen sack, alse tût der tôt, der wirft i alli in die erden. d. mystiker 1, 164 Pfeiffer.

SCHACHZIEHER, m. in älterer sprache wie schachspieler (vergl. im schach ziehen: D. (doctor Luther) als ein geübter schachtzieher, nimpts mit jhnen an. MATHESIUS M. Luther 207b.

SCHACHZUG, m. zug im schachspiel, latrunculorum promotio STIELER 2631; bildlich, zug, verfahren, das einem gegner zu schaden bestimmt ist: diplomatische schachzüge.

References:

DEUTSCHES WÖRTERBUCH VON JACOB UND WILHELM GRIMM
Gebundene Ausgabe - Hirzel, Stgt. Dezember 1997 ISBN: 3740100001
Broschiert - Dtv  Oktober 1999 ISBN: 3423590459
 

DEUTSCHES WÖRTERBUCH VON JACOB UND WILHELM GRIMM IM INTERNET
http://germa83.uni-trier.de/DWB/

© Dr. Hilmar Alquiros The Philippines 2002 ff.